Musical productions

Come From Away: d&b Soundscape Debüt im Londoner West End.

© Matthew Murphy

Die Broadway-Sensation Come From Away ist seit Februar 2019 im Londoner Phoenix Theatre zu sehen. In der herzerwärmenden Inszenierung dreht sich alles um die Freundlichkeit und Standhaftigkeit der Bewohner von Gander, Neufundland, einer kleinen kanadischen Stadt, die nach der Schließung des amerikanischen Luftraums durch die US-Luftfahrtbehörde FAA am 11. September 2001 achtunddreißig Flugzeuge voller Passagiere aufnahm.

Die Produktion war auch die erste d&b Soundscape Show im Londoner West End. Das Musical, an dem der Sounddesigner Gareth Owen, der Co-Sounddesigner Russell Godwin und der Produktionstoningenieur Andy Green mitwirkten, gewann den Preis für das beste Sounddesign bei den Olivier Awards im Jahr 2019, was ihm ein vielversprechendes Debüt bescherte.

Klarheit durch En-Scene

Mit d&b Soundscape meisterte Owen eine große Herausforderung: Das Ensemble umfasst 12 Schauspieler, die mehrere Charaktere spielen, oft in derselben Szene. Er erklärt hierzu: „Es gibt so viele Personen, die viele kurze Textpassagen sehr schnell von sich geben, dass es für die Zuhörer–bevor wir Soundscape hatten – mitunter schwierig war herauszufinden, wer gerade sprach.“

Bevor die Show nach London kam, schaffte Christopher Ashley, Regisseur von Come From Away, zunächst mit Lichthinweisen und Bewegungen der Schauspieler den erforderlichen Fokus. Mit dem d&b Softwaremodul En-Scene können bis zu 64 Klangobjekte innerhalb eines Szenarios so platziert werden, dass das Gehörte mit dem Gesehenen übereinstimmt.

„Nach dem ersten Durchlauf mit Soundscape sagte der Regisseur zu mir: ‚Das ist wie eine Offenbarung. Plötzlich brauche ich mir keine Gedanken mehr über die Beleuchtung oder die Inszenierung zu machen oder darüber, was die Besetzung tun muss, damit klar ist, wer spricht. Das Ohr wird durch die akustischen Elemente automatisch gesteuert.  Ich höre den Sound, der von jeder einzelnen Person kommt.‘ Er sagte, das sei absolut neu“, erklärt Owen.

Owen schaffte nicht nur den erforderlichen Fokus, sondern stellte mit d&b En-Space sicher, dass auf jedem Sitzplatz in dem architektonisch beeindruckenden dreistöckigen Theater das gleiche akustische Raumgefühl wahrgenommen werden konnte, egal ob im Rang oder im Parkett.

Eine neue Art zu denken

© Matthew Murphy

„Inzwischen hatten wir fünf Produktionen mit Soundscape – mehr als bei jedem anderen Musical“, fügt Owen hinzu. „Der Unterschied zu anderen Darbietungen ist, dass Come From Away sich durch Soundscape immens abhebt. Der Klang hat sich nicht nur verbessert, es ist auch ein neues kreatives Element hinzugekommen, das vorher nicht da war. Alle Beteiligten nehmen es deutlich wahr. Man merkt es auf jeden Fall.“

Zunächst einmal scheint es so, als sei das Thema in Come From Away sehr bedrückend, doch bei der Inszenierung kommt die ganze Bandbreite der Emotionen zum Tragen. Auf Tränen der Trauer folgen Tränen der Freude und es wird viel gelacht. Die menschlichen Schicksale fesseln das Publikum. Das bleibt dank Owens meisterhaftem Sounddesign mit Soundscape im gesamten Stück so. Das Publikum kann mühelos folgen – und Owen eröffnen sich durch die Verwendung von d&b Soundscape ganz neue Möglichkeiten, Klang einzusetzen.

„Es ist, als wäre man wieder in der Schule. Ich habe das Gefühl, dass sich in Sachen Tontechnik in den letzten zwanzig Jahren im Theater im Grunde genommen nichts geändert hat. Und nun sind wir dabei, das Thema völlig neu zu denken. Es ist oft so, dass beim Klang im professionellen Bereich immer wieder etwas anders gemacht wird, weil zwischenzeitlich neue Technologien erschienen sind. Aus meiner Sicht verkomplizieren neun von zehn neuen Geräten alles nur, ohne dass der Klang wirklich viel besser wird. Durch Soundscape aber kam es zu einem Wandel. Alles muss neugedacht werden, aber das Ergebnis ist auf jeden Fall deutlich hörbar. Das ist genau die Technik, in die man investieren muss.“